AUFMERKSAMKEIT

Verstehen

Geschichten beginnen mit Aufmerksamkeit.

Literatur und Bühne als zwei Formen derselben Arbeit: Menschen wahrnehmen, ohne sie festzulegen.

Sprache als Gegenwart.

In ihren Beiläufigkeiten sind Menschen oft am meisten anwesend: in einem kurzen Zögern, einer minimalen Geste, einer Unsicherheit. Weniger in den großen Behauptungen, sondern in den kleinen Dingen. Das Arbeiten mit Sprache kann solche Momente sichtbar machen, ohne sie zu erklären oder aufzulösen.

Vorgemacht haben das Autoren wie Anton Čechov, Selma Lagerlöf oder Marie von Ebner-Eschenbach. Bei ihnen entsteht Wirkung nicht durch Lautstärke, sondern durch Genauigkeit, Ruhe und Mitfühlen. Manchmal genügt ein unscheinbarer Satz, um einen ganzen Menschen erkennbar werden zu lassen.

Wenige Mittel, genaue Wirkung – auf der Bühne und beim Schreiben.

Das Erzählen beginnt dort, wo Sprache innere Bilder hervorruft. Wo ein Satz genügt, um Räume, Landschaften, Menschen entstehen zu lassen. Darin liegt eine besondere Freiheit, die es vielleicht nur hier gibt: Leser und Zuschauer erschaffen ihre eigenen Bilder – sie ähneln manchmal Bildern aus ihrem eigenen Leben, das ihnen in neuem Licht erscheint.

Seit über zwanzig Jahren entwickle ich literarische Solotheaterstücke von großer Reduktion: keine Requisiten, keine Kostüme, kaum Technik. In gleicher Weise setze ich auch in meinen Romanen nicht auf literarische Effekte, sondern auf Beobachtung und inneres Mitgehen. 

Im Mittelpunkt stehen immer Menschen, ihre Herkunft, ihre Milieus, das, was sie denken, hoffen, wünschen. Was ihnen gelingt und worin sie scheitern. Es ist ein Versuch, Leben zu erkunden.

Zur Person.

Jahrgang 1967, Schriftsteller, Schauspieler, promovierter Theologe. Lebens- und Arbeitsort ist der Flurersturm, ein alter Wehrturm an der Ortsmauer von Sommerhausen am Main.

Kulturförderpreis der Stadt Würzburg, Sprachbewahrerpreis, „Sommerhäuser Stadtschreiber“.

Vito von Eichborn hat einmal über mich geschrieben: „Endlich ein Autor, der rundherum grandios schreiben kann. (Schreiber gibt's viele.)“

„Erzählen ist eine Form von Liebe.“