Verstehen
Geschichten beginnen mit Aufmerksamkeit.
Formate in der Schwebe zwischen Literatur, Bühne und Gespräch.
Zwischen Imagination und Gegenwart.
Markus Grimms Arbeiten bewegen sich zwischen zwei Polen. Manche führen stärker in einen Vorstellungsraum hinein: Figuren entstehen, Landschaften werden sichtbar, Geschichten entfalten sich allein aus Sprache, Stimme und Körper. Andere bleiben näher an der gemeinsamen Gegenwart eines Dialogs: Geschichten werden entdeckt, erzählt, erinnert und im Austausch lebendig gehalten.
Beides ist nie voneinander getrennt. Auch dort, wo erzählt und gespielt wird, bleibt der Erzähler und Darsteller unmittelbar erkennbar. Und dort, wo gesprochen, gelesen oder gemeinsam betrachtet wird, entstehen Bilder, Atmosphären und innere Räume.
Markus Grimms Veranstaltungsformate halten bewusst die Schwebe zwischen Bühne und Gespräch, zwischen Verkörperung und Aufmerksamkeit, zwischen erzählter Welt und gemeinsamem Augenblick. Im Mittelpunkt steht immer dieselbe Frage: Wie kann Sprache einen Raum öffnen, in dem Menschen gegenwärtig werden?
Wenige Mittel, genaue Wirkung.
Seit über zwanzig Jahren entwickelt Markus Grimm verschiedene solistische Literatur- und Publikumsveranstaltungen von großer Reduktion, ohne Requisiten und Kostüme. Im Mittelpunkt stehen Sprache, Vorstellung und Präsenz.
Auch in den Romanen geht es nicht um literarische Effekte, sondern um genaue Beobachtung, Atmosphäre und inneres Mitgehen. Im Mittelpunkt stehen Menschen, ihre Herkunft, ihre Milieus, was sie hoffen und worin sie scheitern. In ihren Beiläufigkeiten sind sie oft am meisten anwesend: in einer minimalen Geste, einer Unsicherheit. Sprache kann solche Momente sichtbar machen, ohne sie zu erklären oder aufzulösen.
Vorgemacht haben das Autoren wie Anton Čechov, Selma Lagerlöf oder Marie von Ebner-Eschenbach. Bei ihnen entsteht Wirkung nicht durch Lautstärke, sondern durch Genauigkeit, Ruhe und Mitfühlen. Manchmal genügt ein unscheinbarer Satz, um einen ganzen Menschen erkennbar werden zu lassen.
Zur Person.
Jahrgang 1967, Schriftsteller, Schauspieler, promovierter Theologe. Lebens- und Arbeitsort ist der Flurersturm, ein alter Wehrturm an der Ortsmauer von Sommerhausen am Main.
Kulturförderpreis der Stadt Würzburg, Sprachbewahrerpreis, „Sommerhäuser Stadtschreiber“.
Vito von Eichborn hat über ihn geschrieben: „Endlich ein Autor, der rundherum grandios schreiben kann. (Schreiber gibt's viele.)“
„Erzählen bedeutet Lieben.“