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Ferdinand Graf von Zeppelin – der Traum vom Fliegen

Leseprobe

1. Kapitel

Bisweilen geschieht es sogar heutigen Tages noch, dass ein Mensch in den Himmel emporblickt, den Finger nach oben reckt und feierlich ausruft: »Da fliegt ein Zeppelin!«

Ja, sogar heutigen Tages kann es noch geschehen, und es erfreut mein Herz gar sehr. Jawohl, ich sage ›mein Herz‹, obgleich die körperliche Entsprechung meines Herzens, also das biologische Organ gleichen Namens, seit wenig mehr als einem Jahrhundert gar nicht mehr schlägt, wie ich gleich am Beginne meiner Ausführungen bekenne. Herzlos bin ich durch mein irdisches Ableben trotzdem nicht geworden.

Allerdings enthält der oben angeführte Ausruf zwei Unrichtigkeiten: Zum einen fliegt ein Zeppelin nicht, vielmehr fährt er und ist hierin einem Ballone verwandt. Er fährt durchs Luftmeer wie ein Schiff durchs Wasser des Ozeans. Und zweitens ist es, recht besehen, kein Zeppelin, sondern, wie aus dem soeben Gesagten folgt, ein ›Luft-Schiff‹. Ein Zeppelin kann weder fliegen noch durchs Meer der Lüfte fahren, und dies weiß ich per Zufall sehr genau, denn ich bin selber einer.

Ferdinand Adolf Heinrich August von Zeppelin, so lautet mein voller Taufname, oder vielmehr: so lautete er, solange ich auf Erden wandelte. Denn, geneigte Leserinnen und Leser, Sie werden verstehen: Hier, wo ich mich gegenwärtig befinde, verblassen Namen wie abgenutztes Spielzeug.

Freilich weiß ich und sogar mit einem gewissen Stolze, dass mein Name sich auf immer mit den von mir erbauten Luftschiffen verbunden hat, und ich bin nicht einmal schuldlos daran. Es irrt sich also der eingangs geschilderte Mensch, der einen Zeppelin zu sehen wähnt, doch nicht vollkommen. Und wiederum irrt er doch, denn was er heute am Himmelszelt erblickt, hat mit den Fluggeräten, welche ich konstruiert und gebaut habe, kaum etwas gemein, es ist nur ein matter Abglanz, ein fader Nachgeschmack einstiger Herrlichkeit und Majestät. Doch ich greife vor.

Das Wörtchen ›von‹ in meinem Namen mag Ihnen aufgefallen sein, es weist auf adelige Abkunft, und tatsächlich entstamme ich einem alten Grafengeschlecht, das in früher Zeit in Mecklenburg siedelte. Ein ferner Ahn von mir, Heynrikus de Cepelin, erscheint urkundlich dortselbst im Jahre 1286, aber Landbesitz hatten die Cepelins schon seit noch älterer Zeit. Zu diesem Worte ›Cepelins‹ erlaube ich mir noch zwei knappe Randbemerkungen: Während das anlautende C dem urkundlichen Latein geschuldet ist, gilt gleiches jedoch nicht für das einfach geschriebene P, das erst am Beginne des 19. Jahrhunderts seine Verdoppelung erfuhr. Zweitens zeigt sich hier der vom Standpunkte der Grammatik deutlichste Unterschied zwischen dem Luftschiff und dem Menschen gleichen Namens: Im ersteren Falle lautet die Mehrzahl auf -e, im letzteren auf -s.